Counterpole 2018

C O U N T E R P O L E

Ein Projekt von Carl Ludwig Hübsch,
in Zusammenarbeit mit E-MEX und Ensemble X

Ein Groß-Ensemble international führender Improvisatoren trifft auf einen arrivierten Klangkörper der Neuen Musik. Ein Raum, ein vollendetes Werk im Prozess, eine Werkstatt der aktuellen Musik und ein Abend, dessen Ergebnis unvorhersehbar ist.

Improvisation und Interpretation eines zeitgenössischen Werkes werden an diesem Abend nebeneinander gestellt. Und nicht nur hintereinander, wie bereits oft geschehen, sondern auch gleichzeitig. Interpretation und Improvisation sollen sich so als Musizierformen voneinander abheben und durchdringen. Kann Improvisation angemessen in Echtzeit auf eine Komposition reagieren? Kann eine Interpretation auf das Unvorhergesehene reagieren? Während es mannigfaltige Kompositionen gibt, die die Stärken von Improvisation und vorab Komponierten zu verbinden versuchen, interagieren beide Musikformen hier ganz direkt. Eine offene Probe gibt Raum für Experiment und Diskussion, auch mit dem Publikum. E-MEX als Ensemble der Neuen Musik, das Ensemble X als große Gruppe der freien Improvisation sowie eine Komponistin bzw. ein Komponist gestalten gemeinsam den Prozess. Im Konzert werden Improvisation und Komposition pur und vermischt präsentiert.

COUNTERPOLE 2014
Gérard Grisey: Vortex Temporum
Improvisation Ensemble X
+
Vortex Temporum synchron mit Improvisation Ensemble X

COUNTERPOLE 2018
PROGRAMM KÖLN & WIESBADEN (Konzert)
Improvisation Ensemble X
Hans Tutschku: Moments before the eruption (2017/18) for seven instruments and electronics
Eiko Tsukamoto: Mit dem Ei (2017) for six instruments
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jeweils synchron mit Improvisationen des Ensemble X:
Iannis Xenakis: Charisma für Klarinette und Cello
Giacinto Scelsi: ko-lho für Flöte und Klarinette
Eiko Tsukamoto: Mit dem Ei (2017) for six instruments


Impressionen aus COUNTERPOLE 2018
Carl Ludwig Hübsch, Köln, 21.05.2018

„Die Dauer und die intensive und vorbehaltlose Zusammenarbeit der beiden Ensembles waren entscheidende Merkmale des COUNTERPOLE 2018. Der direkte Zusammenprall der beiden Musizierformen Interpretation (Komposition) auf der einen Seite und Improvisation (ohne Vorgaben) auf der anderen Seite zwang die Musizierenden dazu, ihre gewohnten Haltungen zu überprüfen und sich auf ein unbekanntes Terrain der Interaktion zu begeben.

Beide „Seiten“ waren während des Spielens vielen zusätzlichen Klanginformationen ausgesetzt.

Während die Interpreten diese Informationen jedoch bewusst heraus halten mussten, versuchten die Improvisatoren mit einem Stück als komplexem und kaum interaktivem Spielpartner umzugehen. Auf diese Art und Weise wurden im praktischen Tun Fragen offen gelegt, wie die Frage nach dem Sinn einer Improvisation, nach dem Sinn des Komponierens, die Frage nach Präzision und Interaktion auf beiden Feldern, die Frage danach, was ein gelungenes Ergebnis dieses Projektes sein könnte, was Gelingen, Erfolg bedeutet, ob in der Rezeption „gelungene“ Musik gleich zu setzen ist mit einem guten Ergebnis eines Konzertes und viele weitere Fragen mehr, dabei immer wieder die Grundfrage nach den unterschiedlichen Qualitäten der beiden Musizierformen.

Während das Kölner Konzert noch stark geprägt war von dem vorangegangenen intensiven Probentag, bei dem viel Stück für Stück gearbeitet wurde (somit auch im Kölner Konzert die Improvisation und die Stücke durch gemeinsamen Beginn und gemeinsames Ende eher wie ein Realtime Remix wirkten, wurde in Wiesbaden das Konzept weiter geöffnet, so daß über die ganze Konzerthälfte ein Bogen gespannt wurde bei dem sowohl Improvisation als auch Komposition/Interpretation alleinig aber auch im überlagert auftraten.

Auf diese Art und Weise ging das Konzept auf. Die Improvisation wirkte nicht mehr als „realtime-remix“ eines komponierten Werkes das sondern, die Werke erschienen eher als strukturierte Blocks in einer sich organisch wandelnden Landschaft.

Nach dem Konzert in Wiesbaden fand noch eine ca. halbstündige angeregte Diskussion mit dem Publikum statt.